Das Museum

Zur Geschichte des Werdenfelser Heimatmuseums
Zur Geschichte des Hauses
Das Gebäude

 

 

Zur Geschichte des Werdenfelser Heimatmuseums

Das Museum wurde 1895 durch den Direktor der Fachschule für Holzschnitzerei, Anton Kiendl, gegründet und zwar als "Muster- und Altertümersammlung"; ähnliche Begründungen bildeten im 19. Jahrhundert vielfach die Motivation für Museumsgründungen, z. B. auch beim Bayerischen Nationalmuseum in München.
Es sollten dadurch Anregungen und Impulse für Handwerk und Kunsthandwerk gegeben werden, die durch die fortschreitende Industrialisierung zum Absterben verurteilt zu sein schienen.
Rasch vermehrten sich die Museumsobjekte, nicht zuletzt durch einen gewissen kulturellen Stolz, der kennzeichnend für die Zeit vor dem 1. Weltkrieg war und der, sich auch im Bürgerbewußtsein Garmisch-Partenkirchens niederschlug. Freilich wurde so aus einem Heimatmuseum im engeren Sinne, das hinsichtlich seiner Präsentation auf die nähere Umgebung zu denken ist, in gewisser Weise ein "Altertümermuseum", wie man sich damals ausdrückte, das also ganz allgemein Kunstgegenstände älterer Zeit zur Schau stellt; und so findet sich in unserem Museum nicht weniges, was mit Werdenfels oder dem heutigen Landkreis Garmisch-Partenkirchen kaum oder gar nicht in Beziehung zu setzen ist. Es werden damit aber Selbstvertändnis und Wohlhabenheit von Garmisch-Partenkirchner Bürgern vor dem 1. Weltkrieg deutlich, was in gewisser Weise selbst schon wieder ein historisches Dokument insgesamt ist. Zu nennen sind hier etwa Gustav Becker und der Goldschmied Anton Simon ("Silberertoni"); Otto Blümel, Fachschuldirektor der Schnitzschule und Bernhard Roth als Museumsleiter leisteten bedeutendes zum inhaltlichen Ausbau des Museums. 1925 erhielten die Sammlungen ein eigenes Haus am heutigen Partenkirchner Rathausplatz, das sich in den Jahrzehnten nach dem 11. Weltkrieg, bedingt durch den steten Zuwachs der Sammlungen als zu klein erwies. So konnte es als Glücksfall gelten, daß 1973 die Erwerbung des Hauses "Zum Schlampn", später "Wackerlehaus" genannt durch den Landkreis Garmisch-Partenkirchen gelang und durch entsprechende Aus- und Umbaumaßnahmen museumsgerecht, d. h. auch heutigen Anforderungen genügend, adaptiert werden konnte. Der damalige Landrat Wilhelm Nau hatte ein wesentliches Verdienst daran; Kreistag, Regierungsbezirk Oberbayern und das Bayerische Landesamt für Denkmalspflege waren wesentlich beteiligt. Die feierliche Eröffnung fand am 5. Dezember 1973 statt.
Am 30. März 1925 hatte sich der Museumsverein Werdenfels konstituiert, der mit - kriegs- und nachkriegszeitlichen Unterbrechungen - das Museum fördernd und beratend begleitet. "Der Verein fördert das Heimatmuseum materiell und ideell und macht sich die Pflege und Erforschung von Geschichte und Kultur des Werdenfelser Landes und darüber hinaus des ganzen Landkreises Garmisch-Partenkirchen zur Aufgabe" (Satzung 1989).
Hier nun müßte ein Verzeichnis, gewissermaßen eine "Ehrentafel" der Förderer, Stifter und Spender folgen, die zu erarbeiten für diese Ausgabe des Führers noch nicht gelang. Das mag einer künftigen Auflage vorbehalten bleiben. Das Werdenfelser Heimatm useum liegt in der Trägerschaft des Landkreises Garmisch-Partenkirchen; es wird von einem ehrenamtlichen Leiter und derzeit (1990) von einem Custoden-Ehepaar betreut.
Das Museum erfreut sich - nicht zuletzt durch den Tourismus - steigender Beliebtheit (1988 ca. 15000 Besucher). Dazu trugen und tragen auch fallweise stattfindende Sonderausstellungen bei, die bestimmte geschichtliche, kunstoder kulturgeschichtliche Themen, freilich landkreisbezogen, herausgreifen.

Zur Geschichte des Hauses

Das Gebäude stellt sich als ansehnliches Bürger- und Handelshaus dar, in seinen Formen zunächst eher zeitlos, trägt es Züge, die sich vom 17. Jahrhundert her bestimmen lassen. Die Geschichte des Baus ist noch ungenügend erforscht, sodaß sich zum Teil nur vorläufige Aussagen machen lassen. Ist, wie gesagt, der heutige Gesamteindruck des Äußeren und Teilen des Inneren, vor allem im Erdgeschoß dem 17. Jahrhundert zu verdanken, so ist im Mauerwerk doch viel ältere, vor allem mittelalterliche Bau substanz enthalten, die sich auch in den Hochbau erst recken dürfte.
Das Portal zur Ludwigsstraße läßt frühbarocke Formen erkennen. 1865, beim großen Brand von Partenkirchen blieb das fest gemauerte Haus weitgehend verschont, wie eine zeitgenössische Ansicht erkennen läßt. Wie die Bau-, so ist leider auch die Besitz-Geschichte des Hauses nicht erforscht; vor dem Erwerb durch den Landkreis stand es im Eigentum der Partenkirchner Familie Wackerle, der auch der bedeutende Bildhauer Joseph Wackerle angehörte. Die Umbaumaßnahmen 1973, leider sind auch diese nur unzureichend dokumentiert, gingen mit der vorhandenen Bausubstanz, so weit wie möglich, behutsam um, und lassen im Gesamteindruck das Anwesen wohlhabender Marktbürger und Handelsleute erkennen, was die museale Einrichtung bis zu einem gewissen Grad unterstreicht.

 

Das Gebäude

Der Museumsbau insgesamt ist ein zweiteiliges Gebäude, das aus "Vorder-" und "Hinter"-Haus besteht, dessen Längsachse ziemlich genau in Nord-Südrichtung verläuft. Dem nördlichen dreigeschoßigen Hauptbau ist südlich ein um ein Geschoß niedrigerer Bau vorgelagert, dem seinerseits, nochmals südlich, ein schupfenartiges, ursprünglich wohl landwirtschaftlich genutztes Nebengebäude beigegeben ist. Die Hauptfassade, an der Nordseite zur Ludwigsstraße, ist vierachsig, wodurch das Portal nicht mittig eingelassen werden konnte, sondern in der zweiten Achse von rechts liegt. Der Giebel ist ausgebaut; das Gebäude ist glatt verputzt mit ziegelroter Färbung, die Fensterfaschen sind weißgrau abgesetzt. Das Portal ist mit einer Natursteinfassung gerahmt, die mit zwei Pilastern mit Kapitellen gegliedert ist, auf denen eine Giebelverdachung aufliegt. In deren Scheitel ist eine - leere - Nische mit Sockel eingelassen. Zwischen den Obergeschoßen ist eine barocke Kartusche mit der Darstellung der hl. Familie angebracht, darüber ein - ziemlich verblaßtes Fresko, wohl ursprüng lich aus dem 18. Jahrhundert, den Hl. Antonius mit dem Jesuskind und einem Engel darstellend, darunter eine (Teil-) Ansicht von Partenkirchen. Die freiliegende Ostseite des Hauptgebäudes verläuft über abfallendem Gelände zu sechs Achsen, die jedoch ungleichmäßig durchzogen sind. Ein Rundbogenportal diente wohl zur Aufnahme der Waren des Handelskontors. Das südliche Rückgebäude zu vier Achsen, weist einen Rückschwung über dem Erdgeschoß auf; die Südseite zu drei Achsen besitzt eine große Einfahrt mit Nagelfluheinfassung als Rundbogenportal; im großen Zweiflügeltor ist ein Binneneingang ausgeschnitten. Im Innern dürfte sich allem Anschein nach die ursprüngliche Raumeinteilung (17. Jh.) weitgehend erhalten haben, wenn sie auch an einigen Stellen durch Umbaumaßnahmen verunklart ist. Der heutige Vorraum (1) war Laden- und Verkaufsraum, wenn er auch nicht mehr in seinem ursprünglichen Zuschnitt erhalten ist. Der Abgang zum Untergeschoß ist achsial zum Hauptraum angelegt; dieses, an sich nur ein relativ kleiner Raum, bildet eine Querachse und ist tonnengewölbt. Darüber liegt im Erdgeschoß der Seitenausgang, der geradewegs zur alle Geschoße durchziehenden Schachttreppe führt, die, annähernd quadratisch, vierläufig angelegt ist. Zwischen Vorder- und Rückbau ist nochmals, in voller Firsthöhe, ein Schacht angelegt, um die Lichtzufuhr zu gewährleisten; er ist heute jedoch überdacht. Durch das Vorderhaus führt - nahezu in der Mittelachse - zu etwa zwei Drittel der Gesamtlänge ein tonnengewölbter Gang, der südlich zur Hälfte in halber Länge durch einen ebenso tonnengewölbten Raum (jetzt Krippenraum) flankiert ist.